Konzeptwein

Auf der Suche nach neuen Winzertalenten für meine Serie „Neue Winzer braucht das Land“ und innovativen Winzer-Markenweinen für die Marktstudie, die ich im Dezember mit Michael Pleitgen von der Berliner Weinakademie durchführen will, stosse ich immer wieder auf  interessante Produkte. So meldete sich vor zwei Wochen der junge Winzer Axel May vom Weingut Steinmühle in Osthofen (Rheinhessen), um mir einen Markenwein vorzustellen, den er seit zwei Jahren produziert. Der heisst Opus 734 und es gibt davon derzeit ca. 2000 Flaschen im Jahr. Er ist bei 6,80  Euro positioniert. In den kommenden Jahren soll die Produktion langsam steigen.

Opus734

Streng genommen ist dies kein Markenwein, sondern eine Art Konzeptwein. Und gerade dies macht ihn in meinen Augen besonders interessant. Es ist keine Fantasiemarke sondern eine Hommage an ein kulturgeschichtliches Ereignis, das für das Weingut und die Region von Bedeutung war und dem Wein zusätzliche Authenzität verleiht. Was ist daran das Konzept? Das Wort OPUS,  lat. für  Werk, Werk eines Meisters, erhebt einen Qualitätsanspruch. Die Zahl dahinter steht für das Alter des 1275 gegründeten Weingutes: 734 Jahre waren das 2008. Jedes Jahr wird ein besonders gelungener Wein des Gutes mit aufsteigender Zahl für diese Edition ausgesucht und gefüllt: 735, 736 usw. Im Jahrgang 2008 ist es eine kräftig und kernige, gut strukturierte Sylvaner Spätlese trocken.

Das Etikett zeigt im Hintergrund ganz dezent Noten aus einer von Wendelin Weissheimer, 4x-Ur-Großvater des heutigen Juniorchefs, komponierten Oper mit dem Titel "Meister Martin und seine Gesellen" (nach der Erzählung von E.T.A. Hoffmann). Diese wurde 1879 im Großherzoglichen Hoftheater Karlsruhe uraufgeführt.  Die alljährliche Wein-Edition soll damit auch an eine besondere Begegnung erinnern, die sich 1863 ereignete. Der Komponist Richard Wagner besuchte am 1. Juni 1863 die Steinmühle, und brachte seinem Freund  Wendelin Weißheimer ein noch unveröffentlichtes Opus mit: seine Oper "Walküre", zweiter Abend des „Ring des Nibelungen“ Dieses Werk wurde mit einem besonderen Wein der Steinmühle gefeiert, der den Weinkenner und -geniesser Richard Wagner (laut Tagebuch-Eintrag Weissheimers) in größte Euphorie versetzte. Eine schöne Geschichte, ein gelungenerr Wein und das alles ästhetisch gekonnt umgesetzt.