Wiedergetrunken
Diesen Wein habe ich vor einem Jahr bereits einmal probiert und in der Ausgabe Nr. 16 meines Degustations Newsletters beschrieben. Damals gab ich ihm die Note 89/100 und schrieb: „Für den Rheingau eher ungewöhnlich: so gut wie keine primäre Frucht, nur Würze und Mineralität, feine Kräuternoten. Ein ausgewogener Wein, der sich im Augenblick ein wenig unter Wert, d.h. verschlossen verkauft.“
An diesem Wochenende habe ich eine zweite Flache geöffnet und mir den Wein nochmals vorgenommen mit deutlich mehr Zeit. Und siehe da, der Wein zeigte tatsächlich sehr viel deutlicher, was in ihm steckt. Die Nase beeindruckend, opulent mit reichlich tropischer Frucht, auch Aprikose, Apfel, schönen exotischen Gewürznoten bis hin zu Ingwer. Rauchige, mineralische Noten, etwas Leim. Seinen ganzen Ausdruck zeigt er erst nach mehr als 24 Stunden. Dann kommen die Aromen in einer öligen Verbundenheit und Konzentration zur Geltung. Dann zeigen sich blonde Virginia-Tabakaromen und Dörrobst. Am Gaumen eine runde, weiche Fülle, opulent, etwas Noten von Apfel, Zitrus und weissen Johannisbeeren, getragen von einem zwar mächtigen, aber absolut harmonischen Alkoho-Level von 14 % Vol.. Langer Nachhall und Abgang. Mit dem Typus eines klassischen Rheingauer Rieslings hat dieser Wein absolut nichts mehr gemein, aber es ist ein grosser Wein mit viel Potential und im Gegensatz zu vielen anderen Ersten Gewächsen aus dem Rheingau hat er dieses Bezeichnung auch verdient. 92/100
